Dan erzählt uns von Krefeld 8ung Vol. 4

Posted by on Nov 11, 2011 in Interviews | No Comments

An einem grauen Morgen im November, kurz vor der Veröffentlichung des vierten Krefeld 8ung Samplers trafen wir den Mann, der sich einmal mehr dazu hat überreden lassen, das Krefeld 8ung Projekt durchzuziehen. Dan Müller, selber Gitarrist der Band CINDERSKIN, stand uns bei der Frage wie es dazu kam Rede und Antwort.

Redaktion:
Guten Morgen, Dan!

Dan:
Moin.

Redaktion:
Dan, lass uns über den vierten Sampler sprechen. Warum gibt es einen und was macht ihn aus?

Dan:
Man könnte sagen, dass die Zeit reif war für einen neuen Sampler. Der letzte ist immerhin schon vier Jahre her. Man könnte auch sagen, dass Volume 4 längst überfällig war und die Bands und Fans nur darauf gewartet haben. Das wäre allerdings fast gelogen.

Redaktion:
Inwiefern?

Dan:
In Wahrheit hat mich Stevie von HASTEBLOOD dazu überredet wieder einen Sampler zu machen, denn ich war eigentlich der Meinung dass die Szene in diesen Tagen einen tiefen Winterschlaf hält und, dass die Bands das mit Trauerparolen wie „Mimimimi, es ist alles nicht mehr wie früher! Die Zeiten haben sich geändert!“ oder „Es gibt überhaupt keine Szene in Krefeld!“ auch noch untermauert haben. Riesiger Bullshit, wenn ihr mich fragt! Musiker sind ein bemerkenswertes Völkchen, welches es versteht mit Leidenschaft an eine Sache zu gehen. Bis es dies aber tut, muss irgendwer dieses… hmmm… Feuer entzünden.

Der Aufruf zur Bewerbung zum Sampler hat viele von uns wach gerüttelt und uns dazu gebracht Gas zu geben, zu schreiben, ins Studio zu gehen, Fotos zu machen und die Band auf Vordermann zu bringen. Und – Oh Wunder! – auf einmal ist wieder Leben in der Bude.

Redaktion:
Das letzte Samplerprojekt hast du ja größtenteils alleine auf die Beine gestellt. Inwiefern war die Arbeit dieses Mal anders?

Dan:
Zunächst bedeutet es, dass die Vorplanung viel intensiver sein muss. Das Konzept muss in sämtlichen Details durchdacht werden – und das in allen Bereichen. Das Wichtigste bei der Teamarbeit ist Kommunikation. Brainstormings und Abstimmungen sind sehr zeitintensiv, aber nicht minder produktiv. Wenn man ein Projekt alleine auf die Bühne bringt, dann muss man natürlich auch alle Entscheidungen alleine treffen, was oft schwieriger ist, als ein „Was meint ihr dazu?“ in die Runde zu werfen. Abgesehen davon fördert Team-Arbeit auch ungemein das Sozialleben, man muss keine Angst haben, vor Vereinsamung einzugehen.  Es macht als Musiker einfach Spaß mit anderen Bands an einer gemeinschaftlichen Sache zu arbeiten. Auch wenn sie mal aus einer anderen Musikrichtung kommen und andere Ansichten haben, kann das ein Thema von mehr Seiten beleuchten, wodurch man merkt, dass man manchmal vielleicht zu einseitig gedacht hat.

Um die Übersicht zu behalten habe ich mir so genannte „Chefposten“ ausgedacht, die die Aufgaben strukturieren damit nicht jeder alles machen muss. Stevie und ich mischen uns dann überall hin und wieder mal ein und versuchen die Bereiche zusammenzukleistern, damit es einheitlich aussieht.
Nick vom PROVINZTHEATER hat sich dieses Mal um’s Design gekümmert, auch das neue Logo ist von ihm. Sandy (STROKE UNIT) nutzt seine Kontakte mit der Presse um uns bekannter zu machen. Sven von EARMARKED hat sich darum gekümmert, dass die Bands nicht die ganze Kohle alleine aufbringen mussten und wir dank unseren Sponsoren jetzt auch noch ordentlich Werbung für unseren Sampler machen können. Andy (TIDE RIDERS), Wojtek (STROKE UNIT), Marc (SPOILER) und Stevie haben zusammen diese superfette Website aufgesetzt, und André von FIGHT YOUR CREATION…

Redatktion:
… ist jetzt mein Chef.

Dan:
So sieht’s aus.

Redaktion:
Zwanzig Songs sind dieses Mal auf der Scheibe. Bist du zufrieden mit der Songauswahl?

Dan:
Es ist dieses Mal sehr auffällig, dass die Mischung äußerst bunt ist. Bislang hatten wir immer ein oder zwei „Ausreißer“ dabei,  die etwas Würze mit reingebracht haben. Beim ersten Sampler war es eine einzige Metal-Band (Hatefactor), beim  zweiten war es zum ersten Mal ein Akustik Song (Benevolent), beim dritten das erste Mal eine deutschsprachige Band (Minus), und dieses Mal haben wir alles davon mehrmals und darüber hinaus auch noch Songs, die so noch nie auf einem 8ung Sampler waren.

Redaktion:
Zum Beispiel?

Dan:
Erstmalig gibt es einen reinen Instrumentaltrack, der, obwohl er eigentlich purer Jazz ist, einen perfekten Flair für dem Sampler hat. Auch einen Hip-Hop-artigen Song würde wahrscheinlich niemand auf einem Rocksampler vermuten, aber er erfüllt einfach alle Kriterien. Er ist voller Energie, sehr lebhaft, handgemacht und spiegelt eine Zusammenarbeit wider, die genau das ist, was Krefeld 8ung ausmacht: Miteinander was aus dem Boden stampfen – um des Stampfens Willen! [lacht]
Aber es geht auch anders herum, diesem Mal sind auch erstmalig Solo-Künstler dabei. Direkt sogar zwei davon. Natürlich gibt es auch die obligatorischen Newcomerbands und die obligatorischen alten Hasen. Auffällig ist allerdings, dass von allen zwanzig Bands nur vier bereits schon einmal auf einem 8ung Sampler verewigt wurden. Der Rest ist komplett neu dabei! Mag sein, dass es daran liegt, aber meiner Meinung nach ist es der bunteste und wildeste aller bisherigen Sampler!

Redaktion:
Was denkst du ist das Ziel des Samplers und inwiefern wollt ihr das erreichen?

Dan:
In erster Linie ist der Sampler eins: Ein Promotionwerkzeug! Dieses Mal gibt es satte 5.000 Exemplare die es zu verteilen gilt. Unser Sampler ist gratis, denn er soll die Leute barrierefrei erreichen. Ausgangspunkt ist natürlich Krefeld, aber wie immer wird er auch in die weite Welt hinaus geschickt. Ich habe in den letzten Tagen sogar Anfragen für Brasilien erhalten.

Interessanterweise wollen die Leute meistens den Sampler selber haben, und das nicht nur als Stream oder als Download. Trotzdem bieten wir den Download auf krefeld-8ung.de  natürlich an. Je mehr Menschen wir erreichen, desto besser.

Wir erhoffen uns, dass die Leute, die die Songs hören, die Bands kennenlernen wollen und vielleicht mal ein Konzert besuchen oder ein Album kaufen. Wenn wir ehrlich sind, könnten die Konzerte von Lokalbands wirklich mal wieder besser besucht werden. Das ist in anderen Städten derzeit zwar auch nicht besser, tröstet uns aber nicht nicht im Geringsten und schon gar nicht wollen wir uns darauf ausruhen. Wir haben hier eine geballte Konzentration von talentierten Bands und solange das so ist, kann man das ruhig mit einem solchen Sampler präsentieren.

Redaktion:
Danke für deine Zeit und deine Antworten!

Dan:
Liebend gerne.

– Krefeld 8ung Redaktion
11.11.2011