Eleonore – Hourglass

Posted by on Jan 23, 2012 in CD-Reviews, Reviews | No Comments

Eleonore, die Modern-Metal/Metalcore Institution aus Mönchengladbach, bringt ihr erstes Album am 27.01.2012 beim Süchteln Brennt Festival raus. Ein passendes Review schreiben wir schon jetzt, denn uns liegt eine digitale Kopie der Platte vor, von der wir mit ein bisschen Ehrfurcht sagen müssen: Alter Vadder, was für eine Produktion ist das denn schon wieder?!?

Aber da wir nicht nur gut Kirschen essen wollen, sondern auch Punkte ansprechen, die eventuell nicht ganz so cool sind, suchen wir natürlich akribisch im Teils von Djent beeinflussten Soundgewand nach groben Schnitzern. Leider keine gefunden. Das macht das Review nicht leicht, wenn man ohne große Lobhudelei durchkommen will.

Packen wir es also an. Eleonore. Hourglass. Erster Song „Katharsis„. Brett. Wenn so jedes Album beginnen würde, würde ich womöglich jedes Album kaufen wollen. Der abgehackte, Stakkato-Beginn wechselt schon bald mit der tragenden Melodie eines Refrains, der aus Schweden kommen könnte. Melodic-Death steht kurz auf der Fahne um dann wieder von einer ordentlichen Portion Djent umgeworfen zu werden. Für mich vergleichbar mit ner Mischung aus „Blinded Colony“ und „Meshuggah“, um mal hoch anzusetzen. Aber wie uns Sänger Kamil schon shoutet: „The worst is yet to come“.
Dass nach diesem Song noch etwas „worst“ sein könnte, bezweifelte ich schon nach einmaligem Hören. So ballern die fünf Jungs direkt, mit nahtlosem Übergang, den Song „Beyond Belief“ durch die Boxen, der nicht ganz das Level von „Katharsis“ halten kann, aber auch mehr als einen Moment des musikalischen Ausrastens bereit hält. Der Refrain bleibt einfach nicht so hängen, der Mosh-Faktor ist nicht so hoch, die Riffs trotzdem fett und rotzig. Was genau hier nicht so ganz zündet weiß ich selber nicht. Wahrscheinlich war Katharsis einfach zu fett. Hervorzuheben ist aber der Beatdown am Ende des Songs. Der ist wieder großes Kino und wird Live bestimmt dick Laune machen.
Wenn „The Shivering“ ein Action Film wäre, würde alles konstant explodieren. Dann gäbe es die Szene in der die Frau gerettet wird und es leidenschaftlich wird. Danach wieder Ballerei. Ziemliches Gesamtwerk dieser Song. Der hat wieder alles, was ein guter Metal-Song braucht. Neben Katharsis jetzt schon ein Highlight.
In our new Aeon“ überrascht dann wieder. Das hätte ich von Eleonore so nicht erwartet. Weiblicher Gesang von Lina Farah (Kassiopeia (Link)), die sich mit Shouter Kamil im Duett die Seele aus dem Leib singt. „No way out“. Der Song bringt einen nach den drei Brechern zu Beginn erstmal wieder auf den Teppich. Und das tut der Platte verdammt gut.
Oh, Agony„, dass dieser Song nicht schon früher aufgenommen wurde. Ein Brecher vor dem Herrn, allein schon, weil von Blut und Kotze gesungen wird („I see blood and vomit“). Da kann nichts Schlechtes dran sein. Lobhudelei. Ich sag es ja. Tut mir leid, aber der Song ist genau wie die ersten Songs kein Ausfall, sondern ein Einfall allererster Güte. Wer tragende Melodien in dickem Soundgewand mag, der wird sich hier gut zurechtfinden. Hervorzuheben ist hier auch mal das Bassspiel von Jan Plücken. *slap slap* Feine Nummer. Gitarrenarbeit ist auch absolut. Technisch versierte Bretter ohne Fehler eingespielt. Da ist auch „The outer edge“ keine Ausnahme, der sich wieder etwas von den vorherigen Songs abhebt, denn hier geht es wieder härter zu, ganz nach dem alten Motto „angenehm viel Hass“. „Time to change direction“ sei als Zitat herausgegriffen, denn nach diesem Song geht es in eine Richtung, die mir nicht ganz so einleuchtet, aber wahrscheinlich für ein Debut Album absolut normal ist: Es gibt altbekannte Songs. „Hourglass“ bietet neben den neuen Stücken auch die alte EP „angenehmVIELhass“ in neuem Soundgewand.
„Blood Brothers, „Displacement and silence“ und „Plus Minus“ sind grundsätzlich schon vorher über jeden Zweifel erhabene Songs, wobei mir hier jedoch einfach keiner abgeht. Und das liegt schlicht an der Produktion, die komplett neu ist und sich den anderen Songs des Albums angleicht. In diesem Fall, auch wenn es grundsätzlich absolut nichts an dem fetten Sound der Scheibe zu kritteln gibt: Die Songs gab es eben schon vorher in einem absolut dickem Soundgewand (damals aufgenommen, gemischt und gemastered von Andreas Vieten (u.a. Callejon)) und hätten keine neue Aufnahme benötigt. Nun gibt es Stellen, die sich einfach anders anhören, teils nicht so auf den Punkt eingespielt sind wie vorher (Displacement and silence), anders gesungen sind (alle drei) und eventuell den ein oder anderen, der öfters als einmal die Songs gehört hat, enttäuschen könnten. Mich zumindest ein wenig, da ich die alten Versionen einfach schon fast unverbesserbar fand. Das ist wahrscheinlich, wie schon erwähnt, für die meisten Leute völlig Wumpe, weil die die Songs so oder so zum ersten Mal hören werden. Von daher: Machen und moshen, denn die Songs werden live wohl immer den Pit zum zünden bringen und machen auch trotz meiner „früher war alles besser“ Einstellung dick Spaß.
Den Abschluss der Platte bildet dann das erhabene „Hourglass„, welches auch das fette CD-Cover (Design: Stephan Ansey (Before i fall) / Als Designer muss ich da mal das Like raushauen) ziert. Da geht es mal so richtig Djent-mäßig auf das Schnitzel. Der Anfang braucht sich nicht zu verstecken vor jeglichen Bands, die von sich behaupten, dass sie die Könige der abgehackten Riffs sind. Eleonore sagen mit dem Song „leckt uns“ und spielen hier echt alles auf, was einen technischen, melodischen, großen Metallbrocken gut macht.

In diesem Sinne noch ein schnelles Fazit: Wer irgendwie die Finger im Metall hat, sollte der Scheibe mal ein Ohr leihen, gerade, wenn man die Metal-Szene hier am Niederrhein verfolgt und unterstützt. Da führt einfach kein Weg dran vorbei. So. Fanboy Ende. Meine Wertung, würde es eine geben: 9/10.

Zusätzlich zu der CD gibt es eine DVD mit einem professionellem Konzert-Mitschnitt des Süchteln Brennt 2011, bei dem Eleonore die Menge in Bewegung bringen. Vorab gab es das Video zu „Blood Brothers“ schonmal bei vimeo zu erblicken:

ELEONORE – HOURGLASS DVD – 8.Blood Brothers (Live) from ELEONORE on Vimeo.

Bandmitglieder:
Gesang – Kamil Albrecht
Gitarre – Guido Richter
Gitarre – Timo Lebeck
Bass – Jan Plücken
Drums – Max Lumer

Recording: Hendrik Kröger (u.a.: Killtribe, Syranic)

Tracklist:
1. Katharsis
2. Beyond Belief
3. The Shivering
4. In Our New Aeon
5. Oh Agony
6. The Outer Edge
7. Blood Brothers
8. Displacement & Silence
9. Plus Minus
10. Hourglass

Review/persönliche Meinung von: Stefan / 01.2012