KREFELD8UNG LIVE3 – Live-Review

Posted by on Feb 27, 2012 in Live-Reviews | One Comment
REVIEW: KREFELD8UNG LIVE3
24. Februar 2012 – Rampe, Krefeld

Ganze fünf Acts brachte uns der letzte Freitagabend des Februars beim ersten Krefeld 8ung LIVE Konzert, der dritten von insgesamt vier Veranstaltungen zum Krefeld 8ung Sampler Volume 4 – damit dürften sämtliche Zahlenanbeter unter euch schon mal glücklich und zufrieden sein. In der gut gefüllten Rampe herrschte beste Stimmung, die trotz des musikalisch vielfältigen Programms durchaus als familiär bezeichnet werden kann.
Dan war da und hat es für euch in Worte gefasst:

 

Von wegen Klamauk

Als gegen 20:15 Uhr die meisten Besucher noch verzweifelt nach der Garderobe suchten, stürmten bereits die fünf Musiker vom HORST HANSEN TRIO die Bühne. Allerdings nicht ohne sich aus Respekt vor der „schrägsten Bühne Krefelds“ ihres Schuhwerks zu entledigen, womit auch der letzte moderne Rest der Outfits verschwunden war. Eine optische Melange aus Olaf Schubert und Paul Panzer stand nun vor dem mittlerweile vollständig orientierten Publikum, woraufhin Drummer Eberhardt zunächst die traurige Nachricht verkündete, dass Gründungspatron Horst Hansen selber leider gar nicht zugegen sein könnte. Wer spätestens jetzt die nächsten 30 Minuten in die Klamauk-Schublade abgeschoben hatte, konnte nach den ersten Tönen erleichtert aufatmen. Was das junge Quintett-Trio dort ablieferte hatte nichts mit angestaubten Jazz-Standards zu tun. Energetische Progressiv-Rhythmik traf auf virtuos gespielte Jazz-Melodeien, die Manfred seiner blechernen Vuvuzela entlockte (Kenner nennen das Ding wohl Sopransaxofon), nur unterbrochen durch das regelmäßige Klackern diverser Kinnladen, die auf den Rampenboden fielen.

Collateral Birth legt ordentlich Tempo vor

Sichtlich nervös betrat im Anschluss die Ein-Mann-Band COLLATERAL BIRTH die Bretter, die für viele die Welt bedeuten. Zu Unrecht, denn die Rampe bereitete der Akustik-Gitarren-Sänger-Kombination Jens Thißen ein warmen Empfang. Mit seinen selbst geschriebenen Songs legte er ordentlich Tempo vor, weniger aufgrund der Geschwindigkeit, mehr wegen des hohen Taschentuch-Faktors seiner traurigen Musik. Man konnte die Überraschung des Publikums förmlich riechen, das den Violet-Bassisten bis dato in punkto Songwriting bislang wohl deutlich unterschätzt hatte. Kompakte, durchstrukturierte Songs fanden eine Heimat in kratziger Melancholie, die lediglich zwischen den Stücken durch weniger strukturierte Ansagen aus ihrem dunklen Klangbett gerissen wurde.

Positionsmetamorphose sorgt für Verwirrung

Allein schon das Auftreten der folgenden Band weckte einen Hoffnungsschimmer bei den Rock-affinen Zuschauern, die den Klang einer verzerrten Gitarre bislang schmerzlich vermisst hatten. CROSSMIND waren für die chronisch-kränkelnden und daher ausgefallenen EARMARKED kurzfristig eingesprungen und präsentierten einen druckvollen Opener-Song gespickt mit sägenden Wah-ttacken vor begeistertem Publikum, das Sänger Martin allerdings auf dem Bühnenboden zu suchen schien. Wenig später wurde aus Sänger Martin plötzlich Gitarrist Martin und aus dem reich bebilderten Gitarristen Paz wurde Gitarrist-und-Sänger Paz, während Martin vereinzelt nur noch die Backings bediente. Diese Positionsmetamorphose sorgte für Verwirrung,da hier mit dem Grundsatz des „Lead-Sängers“ gekonnt gespielt wurde. Darum bearbeitete das Quintett auch weiterhin unbeirrt seine drei Gitarren, die dank ausgeklügeltem Arrangement und der bravourösen Leistung des Sound-Mischers zu keiner Zeit unklar klangen. Der stellenweise an Alter Bridge erinnernde Stil wurde auch von Bass und Schlagzeug gekonnt unterstützt, letzteres durch Schlagzeug-Wunderkind Roman Dönicke, der seine neue mattschwarze Lady aus dem Hause Kirchhoff präsentierte und – ganz Gentleman – niemals wirklich verprügelte. Am Ende ein gelungener Gig, coole Songs, mit ein bisschen Luft nach oben was die Abstimmung des Gesangs angeht, insgesamt ein perfekter Ersatz für Earmarked.

Zum Träumen eingeladen

Niemals wirklich verprügelt wurde auch STEVEN HEIN, warum auch, denn seine Qualitäten als Singer- / Songwriter sind hinlänglich bekannt. Fast schon puristisch präsentierte er ein Barhocker-Set mit einem Best Of aus einigen seiner letzten Veröffentlichungen. Nicht zuletzt mit einer Solo-Version seines Samplerbeitrags „Dustset“ erschuf Steven eine Atmosphäre, die zum Träumen einlud. Dass einige Zuschauer wohl im Schlaf zu reden scheinen, wurde leider allzu offensichtlich, denn der zweite Solo-Act am Abend wurde von einigen im Publikum als eine Einladung zur Konversation verstanden. Dieser Mangel an Respekt hätte bei so manchem Künstler ein enttäuschtes Knurren hervorgebracht, wurde aber von Steven professionell ignoriert – zumal solch eine Enttäuschung die Performance der bittersüßen Songs thematisch nur noch unterstrichen hätte.

STROKE UNIT zeigen keinerlei Müdigkeitserscheinungen

Als krönender Abschluss von LIVE3 kamen STROKE UNIT ohne Umschweife direkt zum Punkt: „The Nagging Missus“, seines Zeichens Beitrag der Band zu Krefeld 8ung Vol. IV musste als Opener herhalten und verfehlte seine Wirkung nicht. Völlig aus dem Häuschen zeigte sich das Publikum als Reaktion auf die makellose Performance von Sänger Sandy und seinen metallenen Mitstreitern. Der soeben aus England zurückgekehrte Frontmann zeigte keinerlei Müdigkeitserscheinungen, und zog in bester Quassel-Laune mit teils derbem Humor das Publikum auf seine Seite. „Ich sehe gerade wir haben 5 Minuten mehr Zeit – wir haben aber gar keine Lust mehr Musik zu machen, deshalb rede ich einfach 5 Minuten lang weiter“, witzelte der Ausnahme-Performer. Die Auflockerung des Sets war nur noch ein i-Tüpfelchen auf der ohnehin schon grandiosen Darbietung, die vor allem soundtechnisch nicht zu wünschen übrig ließ. Sätze wie „Bitte etwas weniger Gesang auf dem Monitor“ hört man auch nicht alle Tage.

Alles in Allem ein rundum gelungenes Mini-Festival der Krefeld 8ung LIVE Reihe. Es wird schwierig das zu überbieten. Die letzte Veranstaltung vor dem Covermassaker findet am 9. März 2012 im Krefelder MAGNAPOP statt.

  • M. Krämer

    Was isn anner Band mit 2 Sängern verwirrend ?