Horst Hansen Trio – In jazzig Tagen um die Welt

Posted by on Mrz 26, 2012 in CD-Reviews, Reviews | No Comments

„Das Horst Hansen Trio besticht durch ausgeklügelte Jazz-Arrangements in funkigem Gewand und überzeugt auf ganzer Linie.“ – Stefan, 27, Metal Fan

Ja, ich muss sagen, dass das, was die Jungs da aus dem Jazz-Hut zaubern, schon so professionell klingt, dass ich, als Nicht-Jazzer, es von richtigem Jazz so oder so nicht unterscheiden könnte. Das will noch nichts heißen, aber nach drei-vier Durchläufen im heimischen CD-Player, bzw. der mir zur Verfügung gestellten Download-Variante, dudelt die Scheibe immer noch formidabel aus den kleinen Boxen im Kopfhörergehäuse.

Der Sound ist recht klar, verbirgt keine kleinen Spielfehler und ist fein abgemischt. Das Schlagwerk hätte etwas mehr Aufmerksamkeit verdient gehabt, aber der Gesamt-Sound ist für eine Lokalband unserer Breitengrade geradezu GEIL. Und von wegen Spielfehler: Man würde sie hören, würde es großartige geben. Da ich aber keine höre, gehe ich einfach mal davon aus, dass hier an Spielfehlern gespart wurde. Das angesprochene Schlagwerk kann man eventuell auch mal vernachlässigen, wenn man solch wunderbaren Sound durch die Kopfhörer gehaucht bekommt.

Die Songstrukturen wirken teils sehr straff, teils verloren in den Weiten der jazzigen Welt, teils indisch, arabisch, amerikanisch, jazzig, rockig, funky, abgefahren, virtuos, einfach. Es kann sich nahezu jedes Attribut, welches man Musik geben kann, auf dieser Platte finden lassen. Und das schon im ersten Song „Orient Express“. Ich kann mich nicht recht entscheiden, ob ich gerade durch Saudi-Arabien oder Indien reise. Ist wahrscheinlich auch egal, denn beides wäre geil wie dieser Song.

Womit wir per Express bei den anderen Songs angekommen wären. Nach dem Opener kommt das leise plätschernde „Sea Journey“ schön zur Geltung. Piano, schönes Bongo/wasauchimmer/Xyophon-Spiel, leise flüsterndes Saxophon. So soll es sein auf der jazzigen Reise durch die See. Später fetzt ein schönes Bass-Solo durch die Boxen und man bekommt tatsächlich Bock sich die Füße zu vertreten und nickt mit dem Kopf, solange man den Takt noch versteht. Das hat Groove.
Der nächste Song, „Fahr mit’m Boot, Jack“ ist ein furioses Beispiel an Saxophon-Spiel und ist tanzbar ohne Ende. Ein Song, der richtig gute Laune macht. Den Frühjahrsputz könnte man damit locker in der Hälfte der Zeit absolvieren.
Der Krefeld 8ung IV Track „Jazzerella“, auf Konzerten liebevoll „gjazarellar“ ausgesprochen, beginnt seicht und kommt nur langsam in Fahrt. Nun bin ich Metaller und bin eher der gestresste Hörer und will schon fast skippen. Aber der Song gibt sich dann, nach ca. 3:50 Min bei 8:30 Gesamtspiellänge, doch mal die Ehre und kommt in Fahrt. Das Abgefahrene dabei ist, dass sich bis zum Ende des Songs ein Konstrukt aufbaut, welches immer schneller, jazziger und virtuoser wird. Mein Onkel, seit Jahrzehnten Jazz-Fan, sagte dazu, als ich Ihm den Sampler mal vorspielte: „Das muss man sich erstmal trauen zu spielen, auch wenn es jetzt nicht super-sauber ist. Die Jungs haben Groove…“ – also sage ich das jetzt auch. Das muss man sich erstmal trauen. Dabei steht vor allem wieder das Saxophon im Mittelpunkt des Geschehens und wird auf Konzerten für diese Virtuosität wahrscheinlich mit tosendem Applaus belohnt – zumindest wünsche ich es dem Spieler nach diesem Song.
Danach erstmal bekannte Klänge. Smooth wie einst Herbie Hancock, entgleist den jungen Musikern das Stück „Cantaloupe Jam“ hier nie. Da sitzt Gefühl drin. Jazz lebt. Bass und Klavier machen alles richtig, genau wie das Schlagwerk, was sich bedacht im Hintergrund hält und alle tragenden Melodien sanft untermalt. Oben auf: Das Saxophon. Die kleinen Studio-Schnipsel, hier ein Lachen, zeigen, wie viel Spaß die Jungs wohl an dem Stück hatten.
Der folgende Track „King Lui“ hängt, baumelnd in der Luft und kommt, nach ein paar Schwüngen, zu einer schönen Saxolodie, also einer Melodie mit Saxophon, die sich sanft, womöglich an einer Liane, in das Ohr hinab lässt. Wenn ich mir King Lui vorstelle, sehe ich tatsächlich, wie ein zotteliger Orang-Utan durch die Wälder schleift, schwingt und chillt. Der gezupfte Bass wirkt hier teils irgendwie fehl, bzw. vom Sound her schwächer, bis er sich endlich im Slappen verliert und dort gut zur Geltung kommt.
Das Cover des Star Wars Klassikers „Cantina Band“ habe ich als Fan natürlich sofort gefressen. Klar. Ob die Jungs das einfach so machen dürfen? Keine Ahnung, aber wie schrieb einst Paul Arden in seinem Buch „Es kommt nicht darauf an, wer Du bist, sondern wer Du sein willst: Das erfolgreichste Buch der Welt von Paul Arden“: „Der Trick ist es, einfach nicht zu fragen.“ Getreu diesem Motto wird also „Cantina Band“ aufgejazzt. Meinen Respekt für die Wahl des Songs, könnte es doch keinen besseren Party-Jazz geben.
Der letzte Track  „Norge Sun“ kommt in guter, alter Jazzkantine-Manier mit drei Gast-Auftritten von Phil, Luke und Betrug sowie Tilmann daher. Dabei kreieren die Jazzer vom Horst Hansen Trio ein astreines Bett für die Raps der drei Hip-Hop-Künstler, die sich die melancholische Melodie zur Brust nahmen, um ebenso melancholisch darüber zu philosophieren, was denn wichtiger ist: Alleine eine traurige Kippe in der leeren Wohnung rauchen oder eben doch die Familie und Freunde mit all den guten Erinnerungen. Eigentlich der perfekte Rausschmeißer Song, der einen nachdenklich hinterlässt, mit dem wohligen Gefühl da draußen doch Freunde zu haben, die einem wichtig sind und für die man wichtig ist.

Aber das Horst Hansen Trio würde nicht so heißen, wenn es nicht noch einen Bonus-Song aus dem Ärmel schütteln würde, der wohl nicht ganz so ernst gemeint ist. „Biene Maja“. Mit Ukulele, dazu Affengebrüll, die Lead-Melodie von „The lion sleeps tonight“ von Elton John mit „Awimbouwah-Chor“ und Safari Stimmung. Ende. Oder?
Nein. Bonus-Bonus in der Verlängerung. Saxophon Freestyle, Virtuosität oder wie man es nennen mag zerzaust noch einmal die Ohren. Das kann man mögen, muss man aber nicht. Ich persönlich wäre nach „Norge Sun“ reichlich und gut bedient gewesen und hätte den Klamauk sowie das Solospiel nicht mehr gebraucht, aber die Jungs werden das wahrscheinlich anders sehen.

Ich habe mich jedenfalls gefreut, diesem Album beiwohnen zu dürfen. Ob es den Party Test, den es sich mit dem Untertitel „Party Jazz“ selbst auferlegt, besteht? Live tun es die Arrangements auf jeden Fall, wie ich aus zuverlässiger Quelle (Augen und Ohren) zu bestätigen weiß. Und wenn Jazzer, wie meinen Onkel, auch einigermaßen beeindruckt sind, kann wohl nicht viel schief gehen und der Jazz ist für eine weitere Generation gerettet.

 

Links:
http://www.horsthansentrio.de/

Band:
Hubert, Eckbert, Manfred und Eberhardt