DEAR WOLF und PROVINZTHEATER – Releasekonzert vom 30.03.2012

Posted by on Apr 5, 2012 in Live-Reviews, Reviews | 2 Comments

DEAR WOLF und PROVINZTHEATER

Am Freitag, den 30. März 2012 hieß es beim DEAR WOLF Releasekonzert in der Krefelder KuFa „Hello Stars“. Dan war da und hat ebenfalls „Hello“ gesagt:

„Was rumpelt und pumpelt in meinem Bauch herum?“ heißt es im dramatischen Ende der Gebrüder Grimm Fassung von „Der Wolf und die sieben Geißlein“. Ganz wie im Märchen waren es auch hier nicht die sieben Geißlein, die rumpelten und pumpelten,  sondern die sieben Herren vom PROVINZTHEATER, die sich die Ehre gaben den Anheizer vor dem Releasekonzerts zum neuen Album der Krefelder Band DEAR WOLF zu spielen.

PROVINZTHEATER liveSchon vor Beginn ließ die Bühnendekoration erahnen, dass dort gleich eine größere Kapelle auftreten wird. Ein komplettes Wohnzimmer im 60er-Jahre-Stil füllte die große Bühne der Kulturfabrik bis auf den letzten Zentimeter ausgefüllt war, während das langsam eintrudelnde Publikum mit Michael Jackson Balladen aus den letzten Alben beschallt wurde. Endlich ging das Licht aus und Jacko verstummte. Das Bühnenbild tauchte in ein warmes Sepia und der Gaststar läutete den Abend ein: Robert Kauffmann war einmal mehr als „Neben-der-Band-auf-einem-Sessel-Sitzer-und-natürlich-Bier-Trinker!“ mit von der Partie und drückte gemächlich auf den Schalter des Kassettenrekorders, der das Intro abspielen sollte.  Zumindest konnte man es erahnen, denn es war leider kaum zu hören. Erahnen konnte man auch den Bass Richard Duwels, der nun die Bühne betreten hatte. Man konnte sehen, dass er spielte doch der große Kontrabass blieb stumm. Das sollte auch den ganzen Abend so bleiben. Nach und nach erschien auch das restliche, sichtlich verwirrte Theater im Wohnzimmer und schmetterte den 400-500 Leuten im Saal ihren Smash-Hit „Verena“ zur Auflockerung um die Ohren.

Demografisch betrachtet durfte ein Gros des Publikums noch aus der Kindheit sehr gut solche Möblierung wie auf der Bühne kennen, was allerdings keine allzu freudigen Erinnerungen zu wecken schien, denn das Publikum mit der hohen Dichte an lokaler Prominenz aus den letzten 20 Jahre wirkte ähnlich wie das Licht äußerst statisch. Kein Wunder, denn so ganz ohne Bass und einem insgesamt eher weniger ausgewogenen Sound wollte sich kein Tanzbein so richtig bewegen oder bewegen lassen.

Song mit passender Lightshow – für 12 Sekunden

Das PROVINZTHEATER jedoch spielte unbeirrt weiter und schaffte es sich nach jedem Song spielerisch zu steigern.  Ein großartiger Pawel Kowalczik und ein zur absoluten Höchstform aufgelaufener Erik Falkner lieferten nicht nur gesanglich eine glänzende Leistung ab, sondern schafften es mit kurzen Ansagen-Intermezzi spielend leicht ein Grinsen auf die Gesichter der Gäste zu zaubern.  Richtig Gas gegeben hat das von der Band eigens eingefangene neue Biest, das auf den Namen Eberhardt hört und Schlagzeug (nunja, eher Zeug zum Schlagen) spielt, in dem es technisch hochwertig alles vermöbelte was nicht niet- und nagelfest war. Balladesk wurde es beim Stück „Wie schön“. Hierzu bot sich natürlich ein stimmungsvolles Ambiente an, weshalb Pawel höflich um rotes Licht und den Einsatz der 1-Meter-großen Diskokugel bat. Genauso höflich wurde die Bitte ignoriert und von einem gelangweilt aussehenden Lichtmann mit Schockstarre quittiert. Weiter ging es also im regungslosen Licht, bis zu einem Stück namens „Freihandelszone“ wo im letzten Drittel auf einmal eine passende Lightshow geboten wurde. Zumindest etwa 12 Sekunden lang.

„Luftpost“ war der letzte Song im Set des PROVINZTHEATERS und wurde wohlwollend angenommen. Und trotzdem die Rumpelkapelle nur die Vorband war, verlangte das zu 95% eigentlich für DEAR WOLF gekommene Publikum noch eine Zugabe, die die Kartoffelrocker in Form von zwei Songs auch gab. Beim Grand-Finale „Kollateralschaden“ wurde sogar laut gelacht. Endlich. „Danke, dass ihr stehen geblieben seid!“, bedankte sich der zufriedene Frontmann der eigentlichen Straßenmusikanten. Wie passend.

Nachdem das komplette Wohnzimmer in einer kurzen Umbaupause abmontiert wurde, erstrahlte die nun viel geräumigere Bühne in einem spacigen blau. Aha – das Licht tut’s also doch! War also zum Glück nicht kaputt, sondern nur das Übliche „warum sollten wir uns für den Support die Mühe machen?“-Ding.

DEAR WOLF – das erste Mal seit 4 Jahren wieder in der KuFa

DEAR WOLF liveEin opulentes Intro-Sample läutete die Band des Abends ein, auf die alle schon gewartet hatten, die meisten sogar schon seit etlichen Jahren. DEAR WOLF, eine von drei-vier Krefelder Bands, die sich in den Neunzigern einen Namen gemacht haben, der auch heute noch immer mal wieder erwähnt wird, insbesondere von Menschen, die die Euphorie von damals miterlebt haben. Die Band von damals besteht heute noch aus Alexander Classen und Martin Smeets, wird seit ihrer Reunion (das Wort „Comeback“ ist mir zu erfolgsbehaftet) von Drummer Oliver Griethe unterstützt. Die beiden jüngst hinzugekommenen Bandmitglieder sind Tobias Kirsten (Bass) und Michael Hoefels als Live-Keyboarder, den aufmerksame Krefeld 8ung Kenner natürlich auch noch von JUST IN ORANGE, SUNO oder SO KIND STACY kennen.

Direkt beim Opener zeigten die fünf Musiker worum es an diesem Abend gehen sollte: Das neue Album ist da und möchte gefeiert werden. „Sweet make believe“ stellte sich als tanzbare, nicht allzu schnelle Indiepop-Nummer vor, die einen Einblick in „Hello Stars“ gab. Auch die drei darauf folgenden Songs waren allesamt neu; ein Statement der Band sich nicht auf alten Lorbeeren ausruhen zu wollen. Gitarrist Martin Smeets zeigte durch flottes Down-Stroke-Geachtel ein überraschend modernes Indipendent-Gesicht, dass auch gut von der Insel stammen könnte (sorry, wenn ich jetzt jemanden beleidigt habe). Zusammen mit den Keyboard-Flächen und dem immer wiederkehrenden Schellenkranz bildete sich ein Sound, der an eine Mischung aus U2 und The Killers erinnerte. Drummer Oliver Griehte schien ein wahrer 4-To-The-Floor-Liebhaber zu sein, denn wann immer es sich anbot ertönten auf jeder Viertel eine Bassdrum, was in der Regel zum Tanzen und Mitklatschen anregt. Aber gut, es war Freitag Abend, die Leute haben gearbeitet, mussten extra zur KuFa fahren, und genug Krefelder waren auch darunter, so dass diese Gelegenheit auch gerne mal nicht genutzt wurde.

Wölfe heulen nun mal gerne

Der sonore Bariton von Alex Classens Stimme verlieh den Songs den nötigen Touch um als eigenständige Band anerkannt zu werden, ohne ständig verglichen werden zu müssen. Begleitet wurde der volle Sound der Band von einer fulminanten Lichtshow in blauer Dominanz, mehreren Moving-Heads, einer 1m-Durchmesser Diskokugel, die die „Stars“ an die Wände warf und einem ebenfalls blau beleuchteten Astronauten (ich glaube er hat mir zugewinkt), sowie einer riesigen Konfettikanone, die die KuFa in eine zentimeterdicke Schicht bunter Schnipsel tauchte.
Weniger wegen des blauen Lichts, sondern eher wegen der Grundstimmung der Songs und ihrer Interpretation wollte eine gewisse Melancholie niemals weichen, die sich bedrückend auf alle Gesangslinien legte. Dieses Gefühl wirkte jedoch niemals erzwungen oder gar aufgesetzt, eher als ein Teil des Gesamtkonzepts, denn wie jeder weiß heulen Wölfe nun mal besonders gerne.

Natürlich wurden im Laufe des 18 Song starken Sets auch eingefleischte Fans mit ihren Lieblingshits der Band belohnt („Out Of Disneyland“, „Mary Ann“), doch eine Release Party wäre keine Release Party und DEAR WOLF nicht DEAR WOLF, wenn das Grand-Finale nicht noch einen Song von „Hello Stars“ in petto gehabt hätte. Und so war „Revenge“ der krönende Abschluss-Song des Abends, der von Seiten beider Bands gelungen und rund war, technisch und stimmungsmäßig aber beim nächsten Mal bestimmt noch gesteigert werden kann.

(d)

Setlists:
Provinztheater Setlist

  • Alex-classen

    Danke Dan ! Gruß Alex / Dear Wolf

    • Janist

      Also das mit dem Sound und dem Licht beim Provinztheater find ich echt schade.