Das Krefeld Achtung Open Air bei „Kultur findet Stadt(t)“ 2012

Posted by on Jul 3, 2012 in Live-Reviews, Reviews | 3 Comments

Ohne angeben zu wollen, aber wir sind mächtig stolz auf das was an diesem Samstag, den 30. Juni 2012 auf der Neusser Straße passiert ist. Doch der Reihe nach:

Angefangen hat alles mit der Frage „Habt ihr von Krefeld 8ung Lust, ein Experiment zu wagen, und mit gänzlich anderen Institutionen der freien kulturellen Szene unter der Leitung der Stadt ein Event aufzuziehen, das sich gewaschen hat?“ Die Antwort war klar: „Ihr hattet uns schon bei ‚Experiment’!“

Und so begann die Geschichte. Den langweiligen organisatorischen und planerischen Teil überspringen wir hier mal (obwohl – so langweilig war es in der Tat nicht, aber das würde wirklich, wirklich den Rahmen sprengen).

Samstag, 30. Juni 2012, 7:30 Uhr
Ein Foto erscheint auf Facebook, die Bühne steht schon. Wouw…

10:30 Uhr
Die Bands treffen nach und nach ein und bauen die Backline auf.

11 Uhr
Es wird gesoundcheckt. Killing Smile testet den Sound. Es ist laut. Prima!

12:06 Uhr
Killing Smile sind komplett, es kann losgehen. Dan sagt der Südstadt „Guten Morgen“. Die ersten Passanten zucken erschrocken zusammen. Prima!

12:06 einhalb Uhr
Killing Smile legen los. Die Meute am Hansa Centrum wird neugierig. Ganz schön laut, so früh am Morgen. Aber das Kopfschütteln der Passanten ist immerhin im Takt. Ein gutes Zeichen. Prima!

12:10 Uhr
Die AStA hat die Zapfhähne aufgedreht. Mjam, mjam.

12:45 Uhr
From Day To Day fangen an. Erfrischend unbedarfte Rockmusik mit Hand und Fuß. Am Bierstand erkennt ein Besucher die Jungs aus dem Fernsehen und freut sich. Ähm… prima?!

Szenenwechsel, 13:23 Uhr, irgendwo in Deutschland
Percussionist und Drummer Dajo liegt in seinem Bett und träumt einen süßen Traum. Wir wissen nicht was es war, aber es war bestimmt intensiv und gespickt mit niveauvoller Erotik.

Krefeld Achtung Open Air, 13:30 Uhr
Kassim Auale gibt mit einer gänsehautverbreitenden Stimme den ersten Song aus seinem Solo-Programm zum Besten. Er sitzt auf einer Cajon, die eigentlich hätte gespielt werden sollen, aber Dajo scheint noch im Stau zu stecken. Hoffentlich ist ihm nichts passiert.
 13:45 Uhr

Kichernde Mädels holen ihre Mobiltelefone heraus und versuchen möglichst heimlich einige Fotos von Kassim zu machen. Der Mann am Bierstand findet das lustig, bemerkt aber, dass er Kassim noch nie irgendwo gesehen hat, schon gar nicht im Fernsehen.

14:10 Uhr
„Ja supergeil!“, der Kauffmann freut sich über das Publikum, das ihm einen warmen Empfang bereitet und mit breitem Grinsem sämtliche Hits aus seinem Album „Trinkerliebe“ textsicher mitsingt – außer dem in Mantel und Mütze gekleideten, älteren Herrn mit dem zotteligen, weißen Bart, der scheinbar seine ganz eigenen Texte hat, und diese auch liebend gerne auf der Bühne präsentieren möchte. Als der Kauffmann ihn höflich zur Hölle schickt, kommt der stadtbekannte Penner-Bubu nicht umhin, lautstark schimpfend die ein oder andere Speichelbombe auf unsere freiwilligen Helfer loszuwerden. Yikes!

15:00 Uhr
Die Spitze der Neusser Straße ist längst dreistellig besucht, als Spoiler die Bühne entern. Deutlich lauter als ihr Vorgänger mit einer energetischen Live-Show und pumpendem Bass läutet die Überraschungsband des vierten Krefeld 8ung Samplers endgültig die brachiale Phase des Open Airs ein. Die Freunde des Publikums ist umso größer als Spoiler einen Song zusammen mit New Damage Frontmann Ingo Bajonczak performen. Neugierig strömen immer mehr Leute herbei.

15:55 Uhr
Was für eine Stimme! Was für eine Band! Damit hatte niemand wirklich gerechnet. Die einzigen Exilanten des Festivals sind die vier begnadeten Herren der Düsseldorf-Gladbach-Melange von Bogus Empire. Spätestens jetzt herrscht  absolute Festivalstimmung. Mitwippende Köpfe, Bierchen in der Hand, Jubel, Trubel, Heiterkeit… und die stehenbleibenden Damen und Herren sind auch nicht unbedingt diejenigen, die erwartet wurden, da auch durchaus ältere, viel ältere und die letzten Semester umher stehen – und applaudieren! (Toleranz in Krefeld? Das gibt’s nur bei Kultur findet Stadt(t))

16:53 Uhr
Und da die Musikerpolizei heute ihren dienstfreien Tag hat, ist die Stimmung auch besonders entkrampft, vor allem bei Hang Your Head In Hope, die den musikalischen Granitblock noch einmal mit frischen Akustik-Songs auflockern. Feine Sache: die Sonne lacht dazu und freut sich. Es ist nicht zu warm, nicht zu kalt, nicht zu schwül und nicht zu windig. Neben der Bühne geben die Musiker Autogramme in Autogrammbücher, auf Zettelchen und auf diverse Körperteile.

17:40 Uhr
RUMMS! Umherstehende Beobachter postulieren ein gepflegtes „WTF!?“ bei dem Moshpit der da mitten in der Stadt im Gange ist. Hasteblood haben die Bühne  betreten und schmettern kompromisslosen Metal in die Hansa Straße hinein… ein kurzer Test ergibt, dass man selbst am Arbeitsamt noch die gezielten Double-Bass Attacken vernehmen kann. Horst Lichter könnte nicht besser kochen als die Stimmung vor und auf der Bühne.

18:38 Uhr
Syntonic haben den Kampf gegen den Technik-Teufel gewonnen und geben nun die Gassenhauer aus ihrem Album „New Old Film“ zum Besten. Der ansteigende Zuschauerstrom beweist, dass sich mittlerweile in der ganzen Stadt herumgesprochen hat, was beim Krefeld Achtung Open Air gerade los ist. Aus einem „nur mal eben schauen“ wird ein „cool, hier verbringen wir den Abend“.

 

19:40 Uhr

New Damage Fronter Ingo hat alle Hände voll zu tun. Weniger mit seiner extrovertierten Performance oder der gekonnten Vocalakrobatik – das macht er nebenbei – eher damit sich von den Annäherungen und intimen Berührungen vereinzelter, distanzloser Festivalfreunde zu befreien. Die Krönung: New Damage spielen „Chrome“ den ersten Song auf dem ersten Krefeld 8ung Sampler! Die Polizei erscheint und wundert sich was hier los ist. Na, das Krefeld Achtung Open Air bei Kultur findet Stadt(t). „Kultur was?“ Anscheinend hat keiner die Beamten informiert… sonst hätten sie ja frei nehmen können um mitzufeiern.

21:03 Uhr
Das Spektakel ist seit geraumer Zeit vorbei, die Bühne ist größtenteils bereits abgebaut. Eigentlich sind die meisten nach 8 Stunden Programm schon leicht erschöpft, aber es gibt noch eine Aufgabe zu erledigen: Die AStA hat noch Getränklichkeiten übrig. Noch.

Danke, Krefeld!