Bulldozer’s Impact IV: Der Tag, an dem die Rampe abgerissen wurde!

Posted by on Nov 20, 2012 in Live-Reviews, Reviews | No Comments

Am Freitag, den 16. November 2012 nahmen sich drei der wuchtigsten Baumeister-Bands der Region beim „Bulldozer’s Impact IV“ vor, unsere gute, alte Kulturrampe platt zu walzen, und hinterließen dabei bleibende Schäden… ähh, Eindrücke. Der nicht minder gute, alte Dan setzte den Bauhelm auf und machte sich auf den Weg zur Inspektion.

Soo! muss Technik – Thalamus tasten sich vor

Die anwesenden Vorarbeiter waren im Schichtplan eigentlich gar nicht eingetragen, stellten aber eine mehr als würdige Vertretung für die aus zeitlichen Gründen ausgefallenen Diagnosis Different dar. Und so war es eine angenehme Überraschung den Progressive-Grungern von THALAMUS bei der Arbeit zusehen zu dürfen. Und wie dort geacktert wurde! In puncto Performance macht den Vieren so schnell keiner etwas vor wenn es darum geht vollkommen bei der Musik zu sein, sich in ihr zu verlieren, als Band zusammen zu finden und diese gebündelte Leidenschaft in die Welt hinaus zu transportieren. Insbesondere Drummer und Arbeitstier Roland Kozubek drosch dermaßen gekonnt auf sein Instrument ein, dass man sich mehr als einmal fragt, wie man so etwas eine gute Dreiviertelstunde lang durchhalten kann – auch als Schlagzeug.

Und so gab es neben den stets dynamischen Machtwerken aus dem 2011er Longplayer „Mr. Avenson“ auch Songs aus der bald erscheinenden neuen EP zu hören („The Rising“, „Taste of Black“, „All I Need to breathe“). In ihr scheinen Thalamus ihren Stil so fest einbetoniert zu haben, dass erdige QOTSA-Riff-Elemente neben durchkomponiert wirkenden Postrock-Mauern stehen können ohne dass die Essenz des Progressive-Grunge in Gefahr gerät einzustürzen. Eine der wichtigsten Neuerungen war neben dem Einsatz von Intro-Sample-Loops (oder waren es Loop-Sample-Intros?) die Verwendung eines Tasteninstruments, was den Puristen in diesem familiären aber nicht leeren Rahmen zunächst einen gehörigen Schock einjagte. Synthie-Flächen? Bitte nicht. David-Guetta-Streicher im Live-Arrangement? Schnell raus hier! Aber jegliche Sorgen waren völlig umsonst, denn was Bassist Mr. Bacon aus der „Maschine“ rausholte, war ein erfreulich düsteres Nocturne-Thema im frechen Andantino… vorausgesetzt der Abend hat mein Erinnerungszentrum nicht zu sehr in Mitleidenschaft gezogen. Zumindest aber erinnere ich mich, dass das Rampenpublikum zu dieser Zeit sehr kommunikativ war und fast das komplette Intro aus Mangel an Respekt überplaudert hätte.

Ohne den Song jetzt völlig durchanalysieren zu wollen, sei doch der Didgeridoo-artige Sound erwähnt, der einen wummernden Orgelpunkt zum restlichen Arrangement bildete und a) eine einzigartige Atmosphäre schuf und b) das letzte Mal an diesem Abend einen präsenten Tiefdruck zum „bässten“ gab, denn spätestens jetzt war die Technik vollends überfordert (ich bin nicht sicher, ob hier wirklich etwas durchgesemmelt wurde oder ob das von Anfang an schon so war, oder ob der Mischer heute einfach keinen Bock auf Bass hatte). Nachdem fast die Hälfte des bisherigen Sets nun mit neuem Material gefüttert worden war, ging es mit dem in Krefeld wohlbekannten „Pray“ einem würdigen Abschluss entgegen, was dem physisch feiernden Bruchteil der Anwesenden noch einmal die Gelegenheit gab in komplexer Weise die Matten zu schütteln. Eine Schmankerl-Zugabe gab’s obendrauf: Der Covermassaker-Hit „Moving Law“ von Bahooga, die, hätten sie heute gespielt, wahrscheinlich nicht viele Freunde gefunden hätten. „Ska-music is my favourite sound…“ – im musikalischen Kontext ein groteskes Statement (und ich so: „Hahahaha!“).

Spoiler, die „Keine-Cover-Band“

Kann man bei drei Bands schon bei der zweiten von einem Richtfest sprechen? Naja, zumindest von einem Fest, denn SPOILER lieferten auch heute wieder eine solide Rockshow ab. Insgesamt ein bisschen bunter wirkend als Ihre Vorgänger und musikalisch deutlich straighter ging es bei dem Quintett mit den tiefen Saiteninstrumenten zu. Letztere erzeugten allerdings auch hier nicht das heiß ersehnte Hosenbeinflattern, was aber durch ein bordunes Bassdrum-Feedback ausgeglichen wurde. Nun sind Spoiler aber nun mal keine Drone-Band, darum kann man dieses Phänomen auch getrost in die Schublade „Technische Schwierigkeiten“ stecken.

Nichtsdestotrotz kippten Spoiler äußerst routiniert gleich mehrere Schubkarren druckvollen Alternative-Metal („Suqusis“, „Cum On“, „Pain Terror“) über dem sich füllenden Publikum aus. Besonders aufgefallen ist das präzise Gitarrenspiel zwischen der 7-Saiter und der Explorer, die beide auch nicht mit exquisitem Sound geizten – wie übrigens sämtliche Gitarren beim Bulldozer’s Impact IV – und mit reichlich Flanger und Chorus-Effekten („Shimmer“) angereichert waren. Sänger Heavy hatte zwischen den Songs alle Hände voll zu tun, das Publikum zu animieren, doch die etwa 70 Zuschauer waren zum Großteil keine 16 mehr und befanden sich daher auch mehr im Lausch- denn im Moshmodus. Ohne zu resignieren konzentrierte sich der New-Damage-Shirt-tragende Spoiler-Fronter auf die Musik seiner Band, umschlang mit beiden Händen das Mikro und setzte Unmengen an Gefühl in die Stimme, deren Klangfarbe sich meist in einer vom Schmerz geprägten Aggressivität zuhause fühlte. Neben hymnischen, ohwurmigen, manchmal jedoch noch etwas ausbaufähigen Harmoniegesängen über Panteraeske Riffs, fielen vor allem die bissigen Crescendo-Tiraden in bester Corey Taylor Manier auf, die von lapidar-monotonem Erzählton zum wütenden Wortschwall wurden und wiederum im mehrstimmigen Refrain aufgingen.

Wie auch schon beim Krefeld Achtung Open Air ließ es sich die Band nicht nehmen das sich anbietende Feature mit New Damage Frontmann Ingo Bajonczak darzubieten, der – souverän mit unübersehbarem Spickzettelchen – alles aus dem Song herausbrüllte was in ihm steckte. Im Gegensatz zu Thalamus schafften es Spoiler pünktlich zu diesem Termin ihren neuen Tonträger mitzubringen. Zumindest den essentiellen Teil davon, denn das Cover war leider nicht fertig geworden, kann aber über die Band nachbestellt werden. Natürlich durfte auch „Autosuck“, der Beitrag des Krefeld 8ung Vol. IV Samplers, als krönender Abschluss nicht fehlen, was die Menge veranlasste eine Zugabe zu verlangen. Es scheint als wollten Spoiler dann doch nicht so ganz ohne Cover in die Rampe kommen, denn als Zugabe diente der Slipknot-Song „Vermillion Pt. 2“ (korrigiert mich, wenn ich falsch liege), was mich doppelt freute, denn zum einen fand ich die Nummer schon immer ganz cool, zum anderen war ich ganz stolz die Corey-Taylor-Referenz schon vorher erkannt zu haben (ICH – BIN – SO – GUT!).

Bob, der angepisste Baumeister

Schichtwechsel. Die Backdrop-Wurst, die die ganze Zeit symbolträchtig über den vorangegangenen Bands schwebte und von changierenden LEDs sinnlos angestrahlt wurde, durfte sich jetzt voll entfalten, während auf ihr wenig überraschend der Name der dritten und letzten Band des Abends prangte: NEW DAMAGE. Die nach wie vor in der Produktion ihres kommenden Albums befindlichen Progressive Metaller bestachen einmal mehr durch ausgeklügelte Schlagzeugerei und „riff“inierte Gitarrenarbeit (auch hier wieder: Mjam, mjam Sound!). Und wieder einmal ist es die enorme Bühnenpräsenz, die Sänger Ingo ausstrahlt und die New Damage Fans magnetisch anzieht.

Doch nicht alle im Saal sind so leicht zur aktiven Beteiligung zu motivieren. Auch als ikonenhafte Rampensau ist es schwer in einer halb vollen Rampe bei besagtem Altersdurchschnitt im Festivalbefehlston und entsprechender Gestik etwa einen Circle Pit zu forcieren. Auch der zweite und dritte Versuch machte niemanden wirklich wacher, was zeigte wie wichtig es ist darauf zu achten wie es aus dem Wald hinausschallt in den man zuvor geschrien hat. Ob das fehlende Feedback der Grund war, aber es schien so, als ob Ingo davon etwas gereizt war und das zum Anlass nahm, seiner Stimme die gutturalsten und brachialsten Sounds zu entlocken, die ich je von ihm gehört habe. Alter Schwede! Bob, der angepisste Baumeister reißt mit seinem Bulldozer die Rampe ein!

Neben einigen wenigen älteren Songs der ersten Alben („Joey Song“, „Nothing to say“) lag der Schwerpunkt des New Damage Sets bei Songs aus dem 2009er Album „Ze’eb and Oreb“, gespickt mit viel gesanglichem Pathos und einer knödeligen Reibeisen-Stimme, die an einen heiseren Keith Caputo erinnert (als sie noch ein Mann war). Und dann kommt’s: „Elergy“, ein Stück aus dem kommenden Potpourri der Band, präsentiert sich klanglich sehr viel verspielter und auch dynamisch kreativer als seine direkten Vorgänger, die teilweise noch ein angestaubtes Metal-Etikett vor sich her tragen. Live kündigt Ingo den Song fast entschuldigend mit Samples an, die aber letztendlich nicht nur dem Song, sondern auch der Band äußerst gut stehen und eine logische Konsequenz aus dem im Vergleich etwas wackeligen „Ze’eb and Oreb“ sind. Eine lobenswerte Weiterentwicklung die nach gut 12 Jahren Bandgeschichte auch eine gehörige Portion Mut beweist und von kaum einer anderen Band gelungener hätte umgesetzt werden können. „Es ist witzig und interessant, dass man immer wieder die selben Knöpfchen drücken muss, damit es funktioniert!“ bemerkte Ingo gegen Ende des Konzerts, und ich glaube, nach den Erfahrungen von diesem Abend ist das weder bei der Show, noch bei der Musik wirklich der Fall. Wir sind also gespannt ob 2013 das Jahr wird, in dem es für New Damage heißt: „Reinventing the steel“.

Bauabnahme: Alle Vorschriften wurden erwartungsgemäß eingehalten. Es wurde ein großartiges Gründgerüst gezimmert, auf dem architektonisch hervorragend mit hochwertigem Material aufgebaut wurde. Das Gebäude enthielt mehr als nur eine Wand, was prinzipiell löblich ist. Einzig und allein an einer Stelle wurde gehörig gepatzt: Die Rampe steht noch! Von Seiten der Bauleitung wird hier aber ein Auge zugedrückt, vorausgesetzt es gibt eine Wiederholung!

(d)

Thalamus Setlist 16.11.12

 

Spoiler Setlist 16.11.12

 

New Damage Setlist 16.11.12


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