Sunchair – Beauty

Posted by on Apr 29, 2014 in Reviews | No Comments

sunchair beauty album 2014 review kregeld 8ungDie schönste Zerstörung.

Es beginnt akustisch. Die gezupfte Westerngitarre  klingt irgendwie fehlplatziert. Sollte ich nicht ein Metal/Rock Album rezensieren? Dann denke ich aber an alte In Flames Aufnahmen zurück und freue mich schon irgendwie schelmisch auf den bestimmt bald folgenden Ausbru… ah, da ist er auch schon. Der Opener Beauty macht seinem Namen also alle Ehre. Sanftes Intro, turmhoher Aufbau und dann geht’s richtig los. Was ich hier zu mäkeln hätte? Die Lautstärke des akustischen Gitarrenlaufs ist leider so laut gemischt, dass sich kein Druck mehr aufbaut, wenn die verzerrten 6-Saiter loslegen. Ok. Geschenkt. Der Druck steigt dann bis zur Strophe wieder konstant, aber hier hat man es  versäumt einen richtig, richtig fetten Anfang zu platzieren – der kommt erst, als die wütenden Vocals zur Strophe bitten. Alter. Dann aber richtiger Arschtritt. Gemein wäre hier der Tipp den Song bis 1:20 zu skippen und dann einzusteigen. Das Geplänkel braucht der geneigte Metalhead wahrscheinlich nicht. Der Song bietet neben dem erwähnten Arschtritt noch das ein oder andere Schmankerl. Der Refrain ist zum mit der Zunge schnalzen. Die Shouts von David Müller (u.a. Thalamus) kommen richtig schön aggro daher und sein Gesang ist über alle Maße erhaben. Der perfekte Metal-Shout-Sänger, wenn man so will. Die Riffs bleiben leider oft beliebig, gehen aber heftig zu Werke. Nichts, was man nicht vielleicht schon kennt, aber absolut auf einem Level mit internationalen Produktionen. Kleine ruhigere Passagen lockern den Song zudem wunderbar auf. Und ja, ich bin immer noch beim ersten Song und krittel auf einem Niveau, wo es nur noch auf Details ankommt. Hier sitzt halt alles. Da sucht man automatisch nach Mini-Fehlern. Und davon gibt es eben nicht wirklich welche. Der Song ist ne 1 mit Sternchen. Und zum Krönenden Abschluss bauen die Neo-Thrasher auch noch einen Breakdown ein. Herzchen von mir!

War beginnt dann da, wo die Schönheit aufgehört hat. „THERE IS A WAR AS REAL, AS IT COULD BE!“ Derbe Shouts einfach direkt in die Fresse. Das Riff rollt in feinster Panterahaftigkeit über uns hinweg und schubst live mit Sicherheit die Massen zum Pogo an. Das muss kesseln, und das tut es. Auch War hat seine ruhige Stelle, die aber lediglich dem Aufbau zum erneuten Ausbruch dient. Der Thrash-Train rollt unaufhaltsam weiter und stoppt dann urplötzlich.

Cut it off setzt sich durch seine intelligent arrangierten Lead-Gitarren und den abermals überguten Chorus von War positiv ab. Schade, dass ich kein Booklet zur Hand habe, in dem ich nachschlagen kann, was in Cut it off gesungen wird. Jedenfalls singe ich „I got to cut it off“ schneller mit, als mit lieb ist. Sehr catchy ohne irgendetwas an Härte einzubüßen. Schließlich endet der Song auch noch mit einem epischen Metal-Solo und einem letzten Ohrwurm-Refrain.

Der Song Pile of Shards klingt dann zu Beginn sehr sphärisch und erinnert stark an Thalamus, knallt dann aber in unerwarteter Härte und auch Schnelligkeit durch die Boxen. Der Song luxt den vorherigen Songs die Geschwindigkeitskrone locker ab. Trotzdem bleibt die Kiste ausgewogen, grade durch die cleanen Gesangspassagen. Ebenfalls ein klasse Stück Metal.

Die Riffs von Master of Disguise grooven sich durch die Botanik, während der Gesang insgesamt nicht so catchy wie die Vorgängersongs herüberkommt. Das mag am Chorus-Gesang liegen, der zwar präsent ist, aber nicht so interessant wie die vorherigen Gesangslinien. Trotzdem sicherlich ein veritabler Headbanger, den das Publikum gerne feiern darf!

Der letzte Song ist Mine und stampft Machine Head-esk los – nach dem düsteren Intro und ebenso düster initiierten Strophe. Dafür bietet er, wie die anderen Songs, einen bunten Blumenstrauß an Metal-Splittern, die an jegliche härter angelegten Sub-Genres des Metal-Kosmos angelehnt sind. Als Album-Rausschmeißer spendieren uns Sunchair dann nochmal einen ruhigen Teil zum Durchatmen – nach diesem Ritt durch die Thrash-Modern-Groove-Metal Botanik sehr zu empfehlen.

Produktion.

Es knallt ordentlich! Wenig zu meckern.

Fazit.

Ich geb‘ dem Ding lockere 7,56789 von 10 und höre mir die Scheibe sicherlich noch ein paar Mal im Auto an, um neue Blitzerfotos zu machen und danach hasserfüllt rumzubrüllen. Das wird klasse!

Video

Derben Gruß,
Stefan